Olivenöl-Test von Warentest "Essen & Trinken",
Mai 2006

 
Nach einer Reihe von Tests, in denen Warentest ausgiebig Disount-Olivenöl untereinander verglich, jetzt ein Test, der sich dem Kapitel "Etikettenschwindel" verschreibt und neben den wieder hochgelobten bekannten "Marken"-Discountern diesmal etliche ominöse Olivenöle aufs Testpanel hebt.

 
Olivenöl, quo vadis?

Keiner kennt sie, diese Öle -  wenn sie nicht grade den Discounternamen auf dem Etikett tragen. Spärlich tröpfeln Informationen aus dem Netz.

Bei den meisten Ölen im Test ist nicht geklärt, wo diese eigentlich herkommen und welche Verarbeitungsprozesse sie durchgemacht haben. Oft zahlt der Verbraucher im Supermarkt weniger, als der Erzeuger in den Mittelmeerländern erhält.
Kaum eines der Öle enthält eine Angabe zum Erntejahr, wie es bei Weinen der höchsten Qualitätsstufe üblich und Vorschrift ist, und wenn doch, stellt sich heraus, daß es keine "frischen" Olivenöle sind.
Auch Lagen - oder wenigstens Landstriche - werden meist nicht auf den Etiketten ausgewiesen.

Im Großen und Ganzen dieselbe Sachlage wie vor bald 10 Jahren, als ich meinen Briefwechsel mit Stiftung Warentest bezüglich des damaligen Olivenöl-Tests hatte.

 

"" immer noch aktuell und lesenswert:
mein Briefwechsel mit Stiftung Warentest zum Test Olivenöl 1999

 

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Etikettenschwindel?

 

Inzwischen geht Warentest mit Etikettenschwindlern härter ins Gericht. Warentest selbst bezeichnet inzwischen über 25% der als "nativ extra" gekennzeichneten Öle als fehlerhaft.

Nur eins von 12 getesteten Ölen erhielt ein "sehr gut" im Geschmackstest.


Auch sind die "Billigöle" aus dem Test - wie aus vielen Supermarktregalen -  weitgehend verschwunden. Das liegt jedoch nicht am gestiegenen Qualitätsbewußtsein der Discounter, sondern lediglich an den kürzlich exorbitant gestiegenen Marktpreisen für Olivenöl.

Es wird sogar gelobt, daß Discounter ihre Öle ständig kontrollieren lassen - im Gegensatz  zu den Kleinanbietern.
Viele Kenner der Branche bezweifeln allerdings, daß diese Kontrollen der Sicherstellung der bestmöglichen Qualität dienen. Vielmehr dienen sie dazu, nur den absolut notwendigen Mindeststandard an Qualität  einzuhalten, den der Markt fordert. Es wird solange Gutes mit weniger Gutem gemischt, bis der Mindeststandard erreicht ist, oft eben auch gedämpft, wärmebehandelt und gefiltert, wenn das vorhandene Ausgangsmaterial nichts anderes hergibt.
Das Ergebnis ist dann ein homogenisiertes Massenprodukt, zu dessen Charakter der spanische Monokultur-Olivenanbau mit seinen vollautomatisierten Erntetechniken ideal paßt. Genauso wie die Hollandtomate inzwischen einigermaßen nach Tomate schmeckt, gibt es auch Olivenöle, die jede sensorische Mängelprüfung ohne Beanstandung passieren.

 

Hat Olivenöl eine Seele?

 

Solche Öle schmecken nicht unbedingt schlecht, eher gar nicht, oder höchstens ein bißchen.

Was ihnen fehlt, ist die Identität.

 

Gute Olivenöle erzählen ihre Geschichte, tun ihre eindeutige Herkunft kund und sind untrennbar mit ihr verbunden.

Wenn ich mir Olivenöl in die Salatschüssel oder Pfanne oder Wein ins Glas schütte, geht das nie, ohne daß mir dabei nicht die Felder, die Hügel und Berge und das Meer in die Nase steigen, wo meine Oliven oder mein Wein herkommen. 


Wenn das Testsieger-Öl auch ohne Beanstandung die Tests passiert - ich verbinde mit ihm dennoch nichts als das Bild der großen Ölfabrik mit der riesigen vergitterten Toreinfahrt auf der italienischen Firmen-Website.
Nix Olivenbäume und liebliche Landschaften, sondern Bio anonym. Prost Mahlzeit.

 

Kleinanbieter können ihr Öl mangels Masse und Erntevolumen meist nicht rentabel testen lassen, das ist richtig.
Deshalb ist unter den Kleinen auch mancher "Versager". Trotzdem: ich nehme lieber mal einen schlechteren Jahrgang unter den vielen guten in Kauf, als ständig dasselbe standardisierte Produkt zu konsumieren.

 

Denn auch die wirklichen Spitzenöle sind nur bei den Kleinproduzenten zu finden - Produkte, die an Landschaften gebunden sind und deren Qualität von wenigen Menschen abhängt.